Keine weiteren Unwetter angekündigt

Hochwassergebiete: Bayern kämpft weiter mit den Folgen – Lage in Baden-Württemberg entspannt sich

In Regensburg steht das Wasser nach den Unwettern immer noch. Hier sind vor allem aufgeweichte Böden ein Problem.

Die Hochwasserlage in Bayern bleibt trotz erster Entspannungssignale aus einigen Landesteilen angespannt. Vor allem im Osten Bayerns entlang der Donau waren die Pegelstände am Mittwoch weiter auf hohem Niveau, auch wenn es erste leichte Rückgänge gab. Besonders angespannt war die Lage am frühen Nachmittag in Regensburg.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Baden-Württemberg geht hingegen langsam in den Normalzustand über. In Baden-Württemberg war die Bodenseekreis-Gemeinde Meckenbeuren eines der Hochwasser-Epizentren des Landes gewesen. Eine Schule wurde geflutet, der Ministerpräsident machte sich ein Bild von der Lage. Nun geht es langsam zurück zur Normalität. „Der Krisenstab hat heute seine Arbeit eingestellt“, sagte eine Gemeindesprecherin am Mittwoch. Seit eineinhalb Tagen liefen die Aufräumarbeiten. „Dank des sonnigen Wetters sind die Aufräumarbeiten besonders gut vorangegangen.“

+++ Die neuesten Entwicklungen zum Hochwasser lesen Sie in unserem Liveblog +++

In den vergangenen Tagen war an mehreren Orten in Süddeutschland so viel Regen gefallen wie nur alle 50 bis 100 Jahre. In Bayern wurde zudem eine weitere Hochwasser-Tote gefunden. Eine neue Unwetterfront sehen die Meteorologen zwar nicht auf Deutschland zukommen, aber es gibt auch keine richtige Entwarnung beim Hochwasser: Im Süden kann es weiter Starkregen geben, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch vorhersagte. Der große Regen sei aber vorbei, sagte ein DWD-Meteorologe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Regensburg: Völlig durchnässter Boden ist eine Schwachstelle

In Regensburg begannen die Einsatzkräfte am Mittwoch, kontrolliert Wasser an den Schutzwänden am Donauufer vorbeifließen zu lassen. „Wir haben einen völlig durchnässten Boden“, sagte der Leiter des Tiefbauamts, Michael Köstlinger. Aus Sorge, dass der Boden und damit die Schutzelemente in der Werftstraße plötzlich versagen könnten, lasse man einen gewissen Zufluss zu und schalte die Pumpen ab. Die Hoffnung sei mehr Stabilität für den Untergrund und damit auch für die Schutzwände durch den Wasserdruck auf beiden Seiten.

Wenn eine gewisse Wasserhöhe auf der Seite der Werftstraße erreicht sei, würden die Pumpen wieder angeschaltet, betonte Köstlinger. Von einer Flutung des Bereichs könne man daher nicht sprechen. Die Schutzelemente würden auch nicht kontrolliert geöffnet, sondern ohnehin durchdringendes Wasser an der Werftstraße werde teils nicht mehr abgepumpt. „Das ist unsere Schwachstelle“, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Die aufgeweichten Böden können keine Wasser mehr aufnehmen.

Wegen der angespannten Hochwasserlage waren laut Köstlinger in der Nacht auch zwei Schiffe in Regensburg verlegt worden. Dazu sei die Besatzung per Hubschrauber auf die Schiffe geflogen worden. Ziel sei gewesen, die Schiffe an sogenannten Dalben festzumachen, damit diese in stabiler Position gehalten werden könnten.

Am Dienstagabend hatten Bewohner in Regensburg etwa 30 Häuser räumen müssen, weil der Untergrund wegen des hohen Grundwassers immer weicher wurde. Wann sie wieder in ihre Häuser zurückkehren können, blieb am Mittwoch zunächst unklar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Passau: Hier gibt es laut Söder „Hochwasser-Profis“

Weiter flussabwärts in Passau gingen die Pegelstände an Donau und Inn langsam zurück – allerdings ebenfalls auf hohem Niveau. Dort sollte das Hochwasser im Laufe des Mittwochs noch einmal deutlich langsamer sinken als am Vorabend, teilte der Hochwassernachrichtendienst (HND) mit.

Die Menschen in der niederbayerischen Stadt haben quasi Flut-Routine. Und so sprach Ministerpräsident Söder bei seinem Besuch am Nachmittag von den „Hochwasser-Profis“. Er lobte das vorausschauende Handeln von Politik und Einsatzkräften. Die Helfer dort wie in ganz Bayern leisteten „Übermenschliches“.

Ansicht wechseln

In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.

Zur vollständigen Ansicht

Die Passauer Altstadt wird von Donau und Inn eingefasst. An der Spitze kommt die Ilz hinzu. Der Hochwasserschutz sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut worden, so Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD). Wichtig für Passau wäre, dass in den Regionen flussaufwärts schon Hochwasser abgemildert werde. In den Uferbereichen der Altstadt standen am Mittwoch noch Häuserzeilen unter Wasser. In den höher gelegenen Gassen saßen derweil die Menschen in Straßencafés bei Kuchen und Eis in der Sonne.

Am Hafen in Deggendorf wurden vorsorglich Barrieren aus Sandsäcken aufgebaut, um größere Flutschäden zu vermeiden. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, so das Landratsamt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auch wenn sich der ungewöhnlich lange Scheitel der Hochwasserwelle flussabwärts verlagerte, meldeten sämtliche Messstellen entlang der Donau zwischen Donauwörth und Passau am Mittwoch weiter Pegelstände im Bereich der Meldestufe vier - der höchsten Hochwassermeldestufe. „Wir werden noch bis Freitag brauchen, um ein Stück weit Entspannung geben zu können“, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) am Mittwoch beim TV-Sender Phoenix.

Ansicht wechseln

In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.

Zur vollständigen Ansicht

Suche nach vermisstem Feuerwehrmann in Schwaben geht weiter

Im schwäbischen Landkreis Donau-Ries blieb die Hochwasserlage am Mittwoch zunächst stabil, aber weiter kritisch. Man könne trotz sinkender Wasserstände „keinesfalls Entwarnung für das gesamte Landkreisgebiet“ geben, teilte das Landratsamt mit. „Der Druck auf Deiche und Dämme ist nach wie vor enorm.“

Die Evakuierungsempfehlungen für besonders gefährdete Ortsteile wie Auchsesheim (Donauwörth) und Hamlar (Asbach-Bäumenheim) gelten deshalb vorerst weiter. „Es wird ausdrücklich davor gewarnt, die Situation vorschnell als sicher anzusehen“, teilte das Landratsamt mit. „Die Anwohner sollten insbesondere in Deichnähe wachsam bleiben.“

Unterdessen suchten Einsatzkräfte in Schwaben weiter nach Feuerwehrmann, der bei einem Hochwasser-Einsatz am Sonntag in Offingen mit seinem Boot gekentert und als vermisst gemeldet worden war. Polizeikräfte sollten am Mittwoch an Land und mit Drohnen aus der Luft nach dem 22-Jährigen suchen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Rufe nach mehr Klima- und Hochwasserschutz sind pure Heuchelei

Politikerinnen und Politiker setzen sich gern für den Klimaschutz ein – allerdings nur, wenn sie gerade mal wieder durchs Hochwasser waten. Nur kurze Zeit später sind die schönen Worte vergessen. Ein Ritual, das ein Ende finden muss, meint RND-Hauptstadtkorrespondent Steven Geyer.

Noch habe man die Hoffnung, ihn lebend zu finden, sagte der Polizeisprecher. „Die Chancen werden aber von Tag zu Tag ein bisschen weniger.“ Hoffnung machten daher Geschichten wie die einer 32-Jährigen, die am Dienstag nach zweieinhalb Tagen bei Neu-Ulm aus einer Baumkrone gerettet worden war.

Rosenheim: Abgerutschte Ruine der Burg Falkenstein wird gesichert

Deutlich entspannt hat sich die Lage inzwischen am Alpenrand. Die Burg Falkenstein im oberbayerischen Flintsbach, die am Montagabend durch anhaltenden Starkregen, erheblich beschädigt und teils in Richtung von Wohnhäusern abgerutscht war, soll von einer Spezialfirma mit Stahlseilen abgesichert werden. Zudem sollte ein Geologe den Untergrund überprüfen.

Das Gelände dürfe aus Sicherheitsgründen vorerst weiter nicht betreten werden, teilte das Landratsamt Rosenheim mit. Bis auf einen Anwohner hätten aber alle Menschen in der Umgebung inzwischen wieder in ihre Häuser zurückkehren können.

Trotz weiträumiger Absperrungen und eindringlichen Warnungen der Behörden machten Schaulustige den Einsatzkräften in den Hochwassergebieten zu schaffen. Die Polizei in Niederbayern teilte am Mittwoch mit, dass vor allem in der Region Kelheim zuletzt „vielfach“ Menschen in abgesperrte Gebiete gegangen seien, „um die Hochwassersituation aus nächster Nähe zu beobachten“. Polizisten hätten Platzverweise aussprechen müssen, um die Hochwasser-Touristen zu vertreiben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Viele Straßen und Bahnstrecken sind weiterhin gesperrt

Wegen Überschwemmungen und Unterspülungen blieben in vielen Gebieten Bayerns am Mittwoch Straßen und Bahnstrecken gesperrt. Unter anderem fuhren auf den ICE-Strecken zwischen Donauwörth und Augsburg sowie zwischen Nürnberg und Würzburg zunächst keine Züge, teilte die Bahn am Vormittag mit. Auch die stark beanspruchte Fernverkehrs-Achse zwischen Ulm und Augsburg sei nur eingeschränkt befahrbar.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind zwar am Donnerstag Schauer und Gewitter zu erwarten - Starkregen sei aber nur am östlichen Alpenrand wahrscheinlich.

Sechs Menschen durch das Hochwasser gestorben – vier davon in Bayern

Insgesamt kamen bei dem Hochwasser in Süddeutschland mindestens sechs Menschen ums Leben, vier davon in Bayern. Am Mittwoch wurde eine 79 Jahre alte Frau leblos im Mindelkanal in Jettingen-Scheppach in Schwaben entdeckt, wie die Polizei miteilte. Die Seniorin war am Sonntag in dem Ort im Landkreis Günzburg als vermisst gemeldet worden. Ein Zeuge hatte sie zuletzt mit dem Fahrrad gesehen, bis sich ihre Spur verlor.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Scholz sichert Solidarität zu

Der Klimawandel macht Extremwetterereignisse wahrscheinlicher. Klimaschützer bescheinigen der Bundesregierung angesichts der Hochwasserkatastrophe in Süddeutschland mangelnden Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) habe nun zum vierten Mal in diesem Jahr ein Hochwassergebiet besucht, sagte Luisa Neubauer von der Klimaschutzbewegung Fridays for Future der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Diese Besuche sind nichts anderes als Symbolpolitik mit bitterem Nachgeschmack, solange Olaf Scholz seine Randbemerkungen zur Klimakrise auf dem Nachhauseweg schon wieder vergisst (...).“ Scholz hatte die Region am Montag besucht.

Der Kanzler sicherte am Montag im oberbayerischen Reichertshofen den Betroffenen des Hochwassers in Süddeutschland Solidarität zu. „Wir werden alles dazu beitragen, auch mit den Möglichkeiten des Bundes, dass hier schneller weiter geholfen werden kann“, sagte er. Solidarität sei „geübte Praxis“ betonte er. „Das gehört sich so und so ist Deutschland.“

RND/sth/nis/sis/dpa