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Blick zu den Verbündeten

Merz: Deutsche Beteiligung an Ukraine-Friedenstruppe abhängig von USA

Friedrich Merz (r), Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Bundesvorsitzender, steht neben Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, vor einem gemeinsamen Gespräch im Präsidialamt im Dezember 2024 in Kiew. In einem Interview mit der FAS hat Merz eine Beteiligung der USA zur Bedingung für eine deutsche Teilnahme an einer möglichen Ukraine-Friedenstruppe erklärt.
Friedrich Merz (r), Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Bundesvorsitzender, steht neben Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, vor einem gemeinsamen Gespräch im Präsidialamt im Dezember 2024 in Kiew. In einem Interview mit der FAS hat Merz eine Beteiligung der USA zur Bedingung für eine deutsche Teilnahme an einer möglichen Ukraine-Friedenstruppe erklärt.

Berlin. CDU-Chef Friedrich Merz macht eine Beteiligung deutscher Soldaten an der Absicherung eines Friedens- oder Waffenstillstandsvertrags für die Ukraine von Zusagen für eine Beteiligung der USA abhängig.

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Wenn es um die Absicherung eines Waffenstillstands oder Friedens gehe, müsse Deutschland zuerst mit seinen wichtigsten Verbündeten sprechen, sagte der Unions-Kanzlerkandidat der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“). „Das ist in jedem Falle keine Aufgabe allein der Bundesrepublik Deutschland.“

Britischer Premier Starmer trifft Trump zu Ukraine-Gesprächen
Der US-Präsident hatte seinen ukrainischen Kollegen zuvor als „Diktator ohne Wahlen“ bezeichnet. Trump räumte ein, die Beziehung sei „etwas angespannt“.

Auf die Frage, ob eine Entscheidung über eine deutsche Beteiligung dann fallen könne, wenn es hinreichende Zusagen der USA gebe, antwortet Merz: „Das kann dann nicht nur sein, sondern es muss dann sein.“ Um welche Zusagen der USA es sich handeln müsse, wollte der CDU-Chef nicht sagen: „Es wäre sehr unklug, darüber öffentlich zu spekulieren.“

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Merz lässt Frage nach „Taurus“-Lieferung an Kiew offen

Merz betonte, diese Frage müsse heute nicht entschieden werden, da Russland nicht bereit sei, europäische Truppen auf dem Gebiet der Ukraine zu akzeptieren. Deutschland werde aber „seinen Beitrag zur europäischen Sicherheit leisten“, versicherte Merz.

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Die Frage, ob die Bundesregierung unter seiner Führung den durchschlagskräftigen deutschen Marschflugkörper Taurus wie gewünscht an die Ukraine liefern würde, ließ Merz offen. Die Ukraine müsse die Systeme bekommen, die sie zur Verteidigung benötige, auch Marschflugkörper. „Ob es dann der Taurus ist oder ein anderes System, das muss man sehen und im Kreise der europäischen Verbündeten abstimmen.“

Nukleare Teilhabe mit Paris oder London?

Die Ukraine müsse weiter militärisch gut ausgestattet werden, betonte Merz. „Allerdings dürfen wir uns in diesen Krieg nicht hineinbegeben. Deutschland darf nicht Kriegspartei werden.“ Kanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt eine Taurus-Lieferung an die Ukraine strikt ab, weil er fürchtet, dadurch könne Deutschland in den Krieg hineingezogen werden.

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Über die Frage, ob Deutschland bei der nuklearen Abschreckung nicht nur auf die USA, sondern auch auf die Nuklearmächte Frankreich und Großbritannien setzen solle, will Merz „in den Koalitionsverhandlungen und auch mit unseren Partnern in Europa, der EU und der Nato diskutieren“, wie er sagte. Auf die Frage, ob Deutschland darüber nachdenken solle, irgendwann selbst Atomwaffen zu besitzen, antwortet der CDU-Vorsitzende: „Aus meiner Sicht gibt es dazu heute keine Veranlassung.“

RND/dpa