Superstar stürzt mehrfach

Drama im Eiskunstlauf: Wie Ilia Malinin an den Erwartungen zerbrach

Kann es nicht fassen: Ilia Malinin hat Gold verloren.

Sekundenbruchteile nach seiner Kür schlug Ilia Malinin beide Hände vors Gesicht. Die Tränen schossen ihm in die Augen. Der US-Superstar wusste: Ich habe olympisches Gold verloren. Und nicht nur das – aufgrund mehrfacher Patzer und zweier Stürze fiel das Eiskunstlauf-Wunderkind sogar noch auf Platz acht zurück. Kein Gold, keine Medaille. Der 21-Jährige stand trotz Platz eins nach dem Kurzprogramm mit leeren Händen da. Eine faustdicke Überraschung.

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Die rund 11.000 Zuschauer in der restlos ausverkauften Ice Skating Arena in Mailand waren geschockt, wussten nicht so recht, wie sie reagieren sollten. Die einen applaudierten. Andere blickten fassungslos in die Luft. Die vielen US-Amerikaner auf den Rängen erwarteten nicht weniger als Gold von ihrem Superstar. Von dem Mann, der als erster Eiskunstläufer überhaupt einen vierfachen Axel auf dem Eis zum Stehen brachte. Von demjenigen, der erst vor wenigen Wochen einen Kür-Weltrekord aufgestellt und nach dem Kurzprogramm am Dienstag so souverän in Führung gelegen hatte.

Alles war vorbereitet für eine einzigartige Malinin-Show. Doch es kam anders. Gold ging sensationell an Mikhail Shaidorov aus Kasachstan. Silber gewann Yuma Kagiyama. Auch der Japaner patzte mehrfach.

Faire Geste: Ilia Malinin (r.) gratuliert dem Olympia-Sieger Mikhail Shaidorov.
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Malinin war mit dem Beginn seiner Kür förmlich anzusehen, wie ihn die extrem hohen Erwartungen erdrückten. Den ersten Sprung, den vierfachen Flip, stand er noch ohne Probleme. Doch schon den Vierfach-Axel riss er auf und sprang ihn nur einfach. Mit jedem weiteren Element schwand das Selbstvertrauen des 21-Jährigen. Zweimal stürzte er und konnte es nach seinem Lauf nicht fassen.

Mit hängendem Kopf und ohne die erhoffte Goldmedaille kam Malinin nach seiner verpatzten Kür in die Mixed Zone, rang vor den zahlreichen Journalisten nach Worten, wirkte aber gefasst. „Ich kann noch nicht in Worte fassen, was passiert ist. Es sind gerade viele unterschiedliche Emotionen“, sagte der zweimalige Weltmeister und ergänzte: „Ich habe mich den ganzen Tag wirklich gut gefühlt. Aber das hier ist kein normaler Wettkampf. Man spürt den Druck erst, wenn man hier drinnen ist. Das hat mich überwältigt und ich hatte keine Kontrolle mehr.“

Gleich zweimal stürzte Ilia Malinin während seiner Kür.

Ob das Eis schuld war, wollte eine Pressevertreterin aus den USA wissen. „Ich weiß es nicht. Vielleicht war das Eis nicht in bestem Zustand. Aber das kann keine Ausrede sein. Es waren eher die Nerven, die mich überwältigt haben. Alle dramatischen Momente in meinem Leben haben plötzlich meinen Kopf geflutet, kurz bevor ich dran war. Da waren so viele negative Gedanken und ich konnte damit nicht umgehen“, gab Malinin zu. „Für viele Menschen die olympische Hoffnung zu sein, das macht etwas mit einem.“

Er würde gerne die Zeit zurückdrehen und die Kür noch einmal laufen, sagte Malinin „Aber ich kann es nicht, es ist passiert.“

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Vier Jahre muss er nun warten, um erneut die Chance zu bekommen, beim größten Sportevent der Welt die Goldmedaille zu gewinnen. Einen Trostpreis nimmt Malinin aber mit aus Italien. Mit der Mannschaft hat er im Teamwettbewerb vor einer Woche Gold gewonnen.